Die Geschichte des Frankfurter Schauspielhauses:

1902:

Quelle: Frankfurter Stadtarchiv

Das Frankfurter Schauspielhaus, auch "Stadttheater" genannt, wurde von dem namhaften Schauspiel- und Opernhaus-Architekten Heinrich Seeling entworfen. Baubeginn war 1899.

Quelle: Frankfurter Stadtarchiv

Der Innenraum war aufgeteilt in drei Ränge und bot Platz für 1166 Zuschauer. Die Baukosten betrugen 2,3 Millionen Mark. Links vom Schauspielhaus befand sich das Wein- und Bierrestaurant "Faust", welches durch einen Säulengang mit dem Theater verbunden war.

Der Berliner Architekt Heinrich Seeling (1852 - 1932) war ein Star-Architekt seiner Zeit.

 

Er erbaute nicht nur das Frankfurter Schauspielhaus, sondern zahlreiche weitere Kulturbauten, wie z.B. das Hoftheater Gera, das Opernhaus Nürnberg und das Deutsche Opernhaus in Charlottenburg.

Schnitt-Darstellung von 1899

Quelle: Wikipedia

1902 wurde das Schauspielhaus fertiggestellt und eröffnet. Seither präsentierte sich der Prachtbau als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, inmitten der Frankfurter Wallanlage.

Quelle: altfrankfurt.com

Dort wo die Straßenbahn einfährt, beginnt heute der "Willy-Brandt-Platz". Links vom Schauspielhaus markiert der Turm mit Zwiebelhaube die Blockrandbebauung, an der das heutige Schauspielgebäude endet.

Das Foyer erstrahlte in üppiger Jugendstil-Pracht. Gleichzeitig war das neue Schauspielhaus ein Aufbruch in die Moderne, denn die Attraktion für die Frankfurter war ein riesiger Kronleuchter mit 700 elektrisch betriebenen Glühbirnen. 

Seltenes Farbfoto ca. 1943

 

1944:

Quelle: altfrankfurt.com

Der 2. Weltkrieg hinterließ auch hier seine Spuren: Bei einem Luftangriff im Januar 1944 durch amerikanische Bomber, brannte das Schauspielhaus aus. Aufgrund seiner soliden Bauweise blieben jedoch fast alle Mauern stehen. 

Eine Bombe traf den Zuschauerraum. Außenwände und Grundstruktur blieben jedoch weitgehend unbeschädigt.

 

1950:

Die Bürger sehnten sich nach Kultur. Doch 1950 stoppte die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung den Wiederaufbau. Erst als die Bürger dagegen protestierten und mehr als 50.000 Unterschriften sammelten, fiel der Beschluss für den Weiterbau. Anschließend bekam das Schauspielhaus die modernste Bühne Europas!

Das Schauspielhaus kurz vor seiner Fertigstellung mit der großen Drehbühne, nun als Oper

Auf dieser Aufnahme nach dem Krieg sieht man, wie gut die Substanz des Seeling-Baus nach Kriegseinwirkung und Umbau noch erhalten war. Lediglich die Kuppel und der Vorbau fehlten.

 

 

Blick von der Wallanlage aus

Auf dieser Farbaufnahme fehlen bereits die Portal-Türme mit den charakteristischen Schwänen. 

 

Ein permanentes Zerstörungswerk an einem Kulturdenkmal.

1960:

Quelle: Städtische Bühnen

Doch die Freude währte nicht lange. 1960 begann auf dem Nachbargrundstück der Bau der "Theaterdoppelanlage", die Oper und Schauspiel unter einem Dach vereinen sollte.

1962 begann man damit, die wertvolle Neorenaissance-Fassade des alten Schauspielhauses abzuschlagen. Anschließend wurden beide Gebäudeteile hinter einer 120m langen Glasfassade verbunden.

Grundsteinlegung für die neue "Theaterdoppelanlage" am 7. Mai 1960. Ein Gebäude, so monströs wie sein Name.

Rücksichtslose Zerstörung

Goethe neben Bierflasche!

Solch eine Kultur-Barbarei ordnete die Stadt 1962 an. Den beunruhigten Bürgern erzählte man, daß die Spolien eingelagert werden. Doch das war eine Lüge.

1963:

1963 wurde die "Theaterdoppelanlage" gemäß des Entwurfs des Frankfurter Büros ABB unter Otto Apel fertiggestellt. Nichts erinnert mehr an die alte Pracht.

Das alte Schauspielhaus wurde dabei umhüllt und in seinen Grundmauern spielt heute die Oper!

2018:

Quelle: Oper Frankfurt

Doch noch heute erkennt man an den Konturen des Opernhauses die Form des alten Schauspielhauses (hier in blau). Seine seitlichen Fassaden beispielsweise wurden in die aktuelle Architektur integriert und sind -wenn auch verdeckt- vorhanden. Das alte  Schauspielhaus existiert somit noch immer in seiner alten Bausubstanz, was die Berechtigung zur Wiederherstellung erhöht!

2025?:

Skizze: Dipl.- Des. J. Aha

Könnte so die Zukunft aussehen?:

Schauspielhaus und östliche Blockrandbebauung werden originalgetreu wieder hergestellt. Zwischen den Gebäuden ergeben sich Freiräume, die durch einen zurückgesetzten Glasbau verbunden werden könnten, der Raum für weitere Spielstätten bietet. Auch hinter dem Schauspielhaus wäre noch genügend Platz für Werkstätten und Infrastruktur.

Das alte Schauspielhaus entsteht wieder! Zumindest erst einmal virtuell.

 

Derzeit lassen wir eine aufwändige Computervisualisierung anfertigen.

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