1. Fakten als Downloads:

Planungskonzept Schauspielhaus Frankfurt (Gesamtkonzept):

Seit 2016 legt die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt im rollierenden Verfahren ein Konzept vor, welches mittlerweile beinahe 100 Seiten umfasst. Dieses umfasst die derzeitige Bestandsanalyse als Zusammenfassung, historiche Aufarbeitung, sowie Pläne zum Wiederaufbau und zur Nutzung des historischen Schauspielhauses.

Planungskonzept Schauspielhaus Frankfurt Stand 2020
Planungskonzept Schauspielhaus September[...]
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Gutachten Prof. Stephan zur historischen Einordnung und Bewertung des alten Frankfurter  Schauspielhauses von 1902:

Gutachterliche Stellungnahme vom Historiker Prof. D. Peter Stephan von der Fachhochschule Potsdam
(Bitte klicken Sie diesen Download an zum Öffnen des Gutachtens)

Prof. Dr. habil. Peter Stephan von der Universität Potsdam gilt als einer der profiliertesten Kunsthistoriker des Landes und verfügt über eine einzigartige Expertise. Er studierte Alte Geschichte Klassische Archäologie und christliche Archäologie in Freiburg im Breisgau und in Heidelberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Architekturgeschichte vom Mittelalter bis 1900, politische und religiöse Ikonographie.

Gutachterliche Stellungnahme vom Historiker Prof. D. Peter Stephan von der Fachhochschule Potsdam
Gutachterliche Stellungnahme Schauspielh[...]
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Aufmaß-Berechnung zur Beweisführung: 50% der Mauern des alten Schauspielhauses sind noch da:

Manche selbsternannten Fachleute behaupten, es würden kaum noch Bestandteile des alten Schauspielhauses existieren. Diese Aufmaß-Berechnung beweist, dass noch ca. 50% der alten Mauern stehen.
Fassadenberechnung Schauspielhaus historischer Bestand
Fassadenberechnung historischer Bestand.[...]
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Schauspielhaus-Grundrisse Gegenüberstellung (modernistisch vs. historisch):

Vertreter eines modernistischen Theaterkonzeptes sprechen immer wieder davon, daß modernes Theater in einem historischen Gebäude gar nicht mehr aufführbar ist. Es fallen Schlagworte wie "Theater der Zukunft" oder "Nichtkompatibilität mit modernem Spielbetrieb". Eine konkrete Vermessung beider Planungen brachte jedoch erstaunliches hervor: Der Seeling-Bau würde sogar deutlich mehr Raum bieten als die modernistischen Konzepte für Zuschauer, Nebenräume und Kammerspiel.

 

(Bei den Flächenangaben handelt es sich um ca.-Werte. Die Gegenüberstellung wird in den kommenden Monaten noch verfeinert und konkretisiert.)

Vergleich der Bühnen auf einem Blatt (modernistisch vs. modern)
Vergleich der beiden Bühnen auf einem Bl[...]
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Zuschauer- und Bühnenraum - Gegenüberstellung (aktuell vs. Seeling-Bau)

Auch die Gegenüberstellung der Bühnenmaße brachte erstaunliches hervor: Die Bühne des historischen Theaters war ziemlich genau so groß wie die des derzeitigen Schauspiels. Der Zuschauerraum des Seeling-Baus bot sogar deutlich mehr Raum als das heutige Theater. Das beiliegende Dokument führt die Daten auf einem Blatt auf. Auch hier ist eine weitere, genauere Ausarbeitung bereits in Arbeit.

Schauspielhaus-Grundrisse Gegenüberstellung
Schauspielhaus-Grundrisse-Gegenüberstell[...]
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Bühnendaten im Vergleich.pdf
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2. Die Geschichte des Frankfurter Schauspielhauses:

1902:

Quelle: Frankfurter Stadtarchiv

Das Frankfurter Schauspielhaus, auch "Stadttheater" genannt, wurde von dem namhaften Schauspiel- und Opernhaus-Architekten Heinrich Seeling entworfen. Baubeginn war 1899.

Quelle: Frankfurter Stadtarchiv

Der Innenraum war aufgeteilt in drei Ränge und bot Platz für 1166 Zuschauer. Die Baukosten betrugen 2,3 Millionen Mark. Links vom Schauspielhaus befand sich das Wein- und Bierrestaurant "Faust", welches durch einen Säulengang mit dem Theater verbunden war.

Der Berliner Architekt Heinrich Seeling (1852 - 1932) war ein Star-Architekt seiner Zeit.

 

Er erbaute nicht nur das Frankfurter Schauspielhaus, sondern zahlreiche weitere Kulturbauten, wie z.B. das Hoftheater Gera, das Opernhaus Nürnberg und das Deutsche Opernhaus in Charlottenburg.

Schnitt-Darstellung von 1899

Quelle: Wikipedia

1902 wurde das Schauspielhaus fertiggestellt und eröffnet. Seither präsentierte sich der Prachtbau als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, inmitten der Frankfurter Wallanlage.

Quelle: altfrankfurt.com

Dort wo die Straßenbahn einfährt, beginnt heute der "Willy-Brandt-Platz". Links vom Schauspielhaus markiert der Turm mit Zwiebelhaube die Blockrandbebauung, an der das heutige Schauspielgebäude endet.

Die prachtvolle Fassade von nord-westen.

Blick aus der Wallanlage mit Bismarck-Denkmal

Der Seeling-Bau war auch und gerade aus dem Blickwinkel der Stadtgestaltung ein Gebäude, welches das Stadtbild wirklich bereicherte.

Blick von derFriedensstraße aus auf das "Faust-Eck"

Seltene darstellung des Schauspielhauses mit der damals noch oval angelegten Grünanlage

Neben Oper und Römer war das Schauspielhaus eines der beliebtesten Postkartenmotive.

 

Stimmungsvolle Winterfotografie aus der Wallanlage heraus

Das Foyer erstrahlte in üppiger Jugendstil-Pracht. Gleichzeitig war das neue Schauspielhaus ein Aufbruch in die Moderne, denn die Attraktion für die Frankfurter war ein riesiger Kronleuchter mit 700 elektrisch betriebenen Glühbirnen. 

1944:

Quelle: altfrankfurt.com

Der 2. Weltkrieg hinterließ auch hier seine Spuren: Bei einem Luftangriff im Januar 1944 durch amerikanische Bomber, brannte das Schauspielhaus aus. Aufgrund seiner soliden Bauweise blieben jedoch fast alle Mauern stehen. 

Eine Bombe traf den Zuschauerraum. Außenwände und Grundstruktur blieben jedoch weitgehend unbeschädigt.

 

1950:

Nachdem die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung 1949 beschloss, daß das alte Schauspielhaus nicht wieder aufgebaut werden würde, formierte sich Protest in der Bevölkerung. Mehr als 50.000 Unterschriften wurden gesammelt und die Stadt änderte ihre Position. Der Magistrat beschloss daraufhin, das Schauspielhaus zu sanieren und umzubauen und als "Großes Haus" (Oper) wieder zu öffnen. 

 

Am 23. Dezember 1951 eröffnete der Seeling-Bau als Oper seine Pforten.

Ab 1950 erfolgte die Instandsetzung und der Umbau des Schauspielhauses zum Opernhaus. Bis heute sitzen die Opernbesucher in diesem Gebäude.

Das Schauspielhaus kurz vor seiner Fertigstellung mit der großen Drehbühne, nun als Oper

Schuttabraum an der West-Fassade

 

Aus dem Schauspielhaus wude ein Opernhaus: Eröffnung des "Großen Hauses" am 23. Dezember 1951

Blick von der Wallanlage aus

Auf diesem Foto erkennt man, wie viel von der historischen Bausubstanz auch nach dem Krieg und nach der Umnutzung als Opernhaus noch erhalten war.

 

 

Auf dieser Farbaufnahme fehlen bereits die Portal-Türme mit den charakteristischen Schwänen. 

 

Ein permanentes Zerstörungswerk an einem Kulturdenkmal.

1960:

Quelle: Städtische Bühnen

Doch die Freude währte nicht lange. 1960 begann auf dem Nachbargrundstück der Bau der "Theaterdoppelanlage", die Oper und Schauspiel unter einem Dach vereinen sollte.

1962 begann man damit, die wertvolle Neorenaissance-Fassade des alten Schauspielhauses abzuschlagen. Anschließend wurden beide Gebäudeteile hinter einer 120m langen Glasfassade verbunden.

Grundsteinlegung für die neue "Theaterdoppelanlage" am 7. Mai 1960. Ein Gebäude, so monströs wie sein Name.

Rücksichtslose Zerstörung

Goethe neben Bierflasche!

Solch eine Kultur-Barbarei ordnete die Stadt 1962 an. Den beunruhigten Bürgern erzählte man, daß die Spolien eingelagert werden. Doch das war eine Lüge.

1963:

1963 wurde die "Theaterdoppelanlage" gemäß des Entwurfs des Frankfurter Büros ABB unter Otto Apel fertiggestellt. Nichts erinnert mehr an die alte Pracht.

Das alte Schauspielhaus wurde dabei umhüllt und in seinen Grundmauern spielt heute die Oper!

Die städteplanerische Absicht der neuen Theaterdoppelanlage und des heutigen Willy-Brandt-Platzes wird heute gerne idealisiert dargestellt. Die grundsätzliche Konzeption war jedoch die Einbettung des Gebäuderiegels in die "autogerechte Stadt". Der überdachte Eingangsbereich diente den Zuschauern als Refugium und Rückzugsort vor dem vorbeibrausenden Autoverkehr. 

2018:

Quelle: Oper Frankfurt

Doch noch heute erkennt man an den Konturen des Opernhauses die Form des alten Schauspielhauses (hier in blau). Seine seitlichen Fassaden beispielsweise wurden in die aktuelle Architektur integriert und sind -wenn auch verdeckt- vorhanden. Das alte  Schauspielhaus existiert somit noch immer in seiner alten Bausubstanz, was die Berechtigung zur Wiederherstellung erhöht!

2031?:

Skizze: Dipl.- Des. J. Aha

Könnte so die Zukunft aussehen?:

Schauspielhaus und östliche Blockrandbebauung werden originalgetreu wieder hergestellt. Zwischen den Gebäuden ergeben sich Freiräume, die durch einen zurückgesetzten Glasbau verbunden werden könnten, der Raum für weitere Spielstätten bietet. Auch hinter dem Schauspielhaus wäre noch genügend Platz für Werkstätten und Infrastruktur.

Das alte Schauspielhaus entsteht wieder! Zumindest erst einmal virtuell.

 

Derzeit lassen wir eine aufwändige Computervisualisierung anfertigen.

Computervisualisierung: Andre Gansel

SPD-Kulturpolitiker bezeichnen den Seeling-Bau als "hässlichen Kasten aus der Kaiserzeit". Urteilen Sie selbst:

Die SPD wettert ferner, das Schauspielhaus wäre ein "falsches Zeichen für eine weltoffene Stadt". Steht eine Glaskiste für Weltoffenheit?

Computervisualisierung: Andre Gansel

Computervisualisierung: Andre Gansel

Computervisualisierung: Andre Gansel

Computervisualisierung: Andre Gansel

Computervisualisierung: Andre Gansel

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